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Historischer Spaziergang mit Ansichtskarten durch Braunschweig

Ein Historischer Rundgang - Braunschweig

Vor 100 Jahren sahen die Dörfer und Städte noch ganz anders aus, vieles ist zerstört oder dem Wandel der Moderne zum Opfer gefallen. Doch bei oldthing.de, dem Antikmarkt im Internet, finden Sie einen riesigen Schatz mit bis zu fünf Millionen originalen Ansichtskarten, der die alten Ortschaften wieder lebendig macht! Kommen Sie mit, folgen Sie dem Journalisten Dietrich von Schell auf einem historischen Spaziergang und sehen Sie sich ein bisschen in der Vergangenheit um!
Dieses Mal zieht es ihn nach Niedersachsen und zwar geht es nach Braunschweig!
Die niedersächsische Stadt Braunschweig kann auf eine lange wechselhafte Geschichte zurückblicken. Ihre Anfänge sollen bis ins 9. Jahrhundert zurückgehen, aber seit Heinrich der Löwe die Stadt an der Oker im 12. Jahrhundert förderte, entwickelte sie sich zu einer mächtigen Stadt. Den 30-jährigen Krieg überstand sie trotz zahlreicher Angriffe unbeschadet. Im zweiten Weltkrieg ist bei mehreren alliierten Bombenangriffen die Innenstadt bis zu 90 Prozent zerstört worden. Viele Ruinen konnten gar nicht mehr erneuert werden, andere wurden voreilig abgerissen.
Heinrich der Löwe machte Braunschweig ab 1142 groß und baute es zu seiner Residenz aus. Er war der Vetter von Kaiser Friedrich Barbarossa, und konnte darum wohl den mächtigen Löwen zu seinem Wappentier bestimmen. Ein bronzenes Abbild ließ er um 1166 auf dem Burgplatz, hier vor dem  später entstandenen Gildehaus von 1528,  aufstellen. Seitdem ist der Löwe  das Wappentier der Stadt.
Nach Heinrichs Pilgerreise ins Heilige Land (Jerusalem) begannen 1173, ebenfalls am Burgplatz, die Bauarbeiten an dem Dom. Als der Herrscher 1195 starb, wurde er zusammen mit seiner Frau Mathilde in dem noch unfertigen Gotteshaus bestattet. Die spätromanische Kirche ist zwar häufig umgebaut und erweitert worden, hat aber ihren ursprünglichen Charakter behalten. Selbst den Zweiten Weltkrieg hat der Dom als einzige Kirche Braunschweigs nahezu unbeschadet überstanden.
Auch der Hagenmarkt wurde 1160 von Heinrich dem Löwen angelegt. Er ist Zentrum des städtischen Teilgebiets Hagen. An dem Platz standen einst weitere außergewöhnliche Gebäude, wie das Hagenrathaus aus dem 13. Jahrhundert, das 1690 in ein Opernhaus umgebaut wurde. Auf dieser Bühne wurden Lessings „Emilia Galotti“ und Goethes „Faust 1“ uraufgeführt. 1861 ist die Oper abgerissen worden. Die entstandene Lücke hat ab 1874 der Heinrichsbrunnen gefüllt,  den der Bildhauer Adolfmann Breymann geschaffen hat. Die Bronzefigur steht heute noch.
Gleich neben dem Brunnen ragt die um 1200 errichtete Katharinenkirche mit dem 82 Meter hohen Südturm und 74 Meter messenden Nordturm auf. Sie wurde in Anlehnung an den Dom als Pfeilerbasilika konzipiert, jedoch  als gotische Hallenkirche vollendet. Als 1528 die Reformation in die Stadt einzog, bekam St. Katharinen als erste Kirche einen protestantischen Pfarrer. Während des Krieges stark zerstört, wurde sie in den 50er Jahren weitestgehend originalgetreu wiederaufgebaut. Putz und Anstrich aus den 90ern haben aber viel Kritik erfahren.
Verschwunden dagegen ist die Hagenmarkt-Apotheke, die 1677 gegründet wurde und die Jahrhunderte bis 1944 überdauerte. Das Gebäude mit dem Renaissance-Portal für die Fuhrwerke und dem reich verzierten Barock-Portal für Fußgänger ist bei einem Bombenangriff so schwer beschädigt worden, das man es 1949 abreißen musste. Kleiner Trost: In dem neuen Gebäude befindet sich immer noch eine Apotheke.
Trotz großflächiger Zerstörungen konnte der Altstadtmarkt mit dem Altstadtrathaus rechts, der Martinikirche und dem Marienbrunnen wieder hergestellt werden.  Der Platz ist um 1300 als rechteckiger Handelsmarkt angelegt worden und dient bis heute als Wochenmarkt. Das gotische Rathaus, bei dem zwei Flügel rechtwinklig aufeinander stoßen, brannte im Krieg zwar aus, aber die Fassaden konnten gerettet werden. Bei der Martinikirche waren es der Dachstuhl und die beiden Türme, die abbrannten. Hier blieb der Innenraum bestehen. Die Türme haben bei der Nachkriegssanierung zunächst eine flache Form erhalten. Erst 1980 erhielten sie ihre spitzen Formen zurück.
Die Kaiser-Wilhelm-Straße, heute Jasperallee, wurde 1894 angelegt. Sie führt vom Stadtpark im Osten über die Oker in die Innenstadt. Vorbild war die Berliner Magistrale Unter den Linden, mit Promenade und doppelter Baumreihe in der Mitte sowie Reitwegen. Ab 1900 kamen die Häuser im Gründerzeitstil dazu, die beim wohlhabenden Bürgertum sehr beliebt waren. Sie stehen immer noch.
Dass es auch ganz ging, zeigt das Beispiel vom Nickelnkulk. Da der Zerstörungsgrad der Stadt so hoch war, war der Bedarf an Wohnungen groß. Man nahm keine Rücksicht auf alte Straßen und Grundrisse, sondern legte sie nach einem neuen Muster an. So verschwand neben dem Rehnstoben und Geiershagen auch die Sackgasse namens Nickelnkulk. Erstmals 1304 erwähnt, war sie geprägt von zweigeschossigen Fachwerkhäusern. Bis zum Oktober 1944 – da ist sie im Feuersturm britischer Bomber dem Erdboden gleichgemacht worden.
Der alte Bahnhof befand sich ursprünglich auf einer Halbinsel an der Oker, der Küsters Insel. Hofbaurat Carl Theodor Ottmer entwarf einen Kopfbahnhof im klassizistischen Stil. Schon 1870 zeigte sich allerdings, dass er den Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Als neuer Standort wurde der Güterbahnhof, früher Ostbahnhof, favorisiert. Aber das Projekt scheiterte immer wieder. Im Oktober 1960 schließlich – im Zuge von Braunschweigs Neuaufbau – konnte der neue Durchgangs- und Hauptbahnhof am Berliner Platz in Betrieb genommen werden.
Wir hoffen es hat Ihnen auch dieses Mal wieder gefallen. Freuen Sie sich mit uns gemeinsam auf den nächsten Spaziergang auf oldthing.de!

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