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Spaziergang mit Ansichtskarten durch Breslau

Ein Historischer Rundgang - Breslau (Wroclaw)

Vor 100 Jahren sahen die Dörfer und Städte noch ganz anders aus, vieles ist zerstört oder dem Wandel der Moderne zum Opfer gefallen. Doch bei oldthing.de, dem Antikmarkt im Internet, finden Sie einen riesigen Schatz mit bis zu fünf Millionen originalen Ansichtskarten, der die alten Ortschaften wieder lebendig macht! Kommen Sie mit, folgen Sie dem Journalisten Dietrich von Schell auf einem historischen Spaziergang und sehen Sie sich ein bisschen in der Vergangenheit um!

Im neunten Teil unserer beliebten Reihe führt er uns zum ersten Mal ins Nachbarland Polen in wundervolle Breslau.
Breslau, heute Wroclaw, wurde um 900 als slawische Marktstadt gegründet und hatte später viele Herren: Polen, Böhmen, HabsburgerUngarn und Preußen. Um 1900 war die Metropole an der Oder und vier Nebenflüssen fünftgrößte Stadt des Deutschen Reichs. Im Krieg von Luftangriffen relativ verschont wurde Breslau von Mitte Februar bis zum 6. Mai 1945 durch Häuserkämpfe schwer beschädigt und 400 Baudenkmäler zerstört.

Der Dom, eines der Wahrzeichen Breslaus, hat in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs schwer gelitten. Das gotische Bauwerk ist von 1244 bis 1341 auf der Dominsel entstanden, einer von zwölf Inseln, über die sich Breslau ersteckt. Später mehrmals abgebrannt und erneuert, ist er im 19. Jahrhundert von Carl Johann Lüdecke im gotischen Stil restauriert worden. Den Wiederaufbau nach dem Krieg beendete Marcin Bukowski 1951.
Das zweite große Wahrzeichen, das Alte Rathaus, trug im Krieg nur am Dach schwerere Schäden davon.  Es stammt aus derselben Zeit wie der Dom und gilt europaweit als eines der schönsten gotischen Rathäuser. Um 1800 ist es den Anforderungen  einer modernen Verwaltung angepasst und modernisiert worden. Ab 1860 schuf Friedrich August Stüler in direkter Nachbarschaft das Neue Rathaus mit gotischen Fassaden. Nach dem Krieg leitete Marcin Bukowski die Restaurierung des Alten Rathauses, in dem sich ,neben einem Museum der bürgerlichen Kunst, die seit 1275 existierende  Bierwirtschaft  „Schweidnitzer Keller“ befindet.
Die Universität Breslau wurde um 1702 vom Habsburger Kaiser Leopold I. als Akademie gegründet.  Das Leopoldina genannte Jesuitenkolleg umfasste eine philosophische und eine theologische Fakultät. 1811 wurde sie von Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. in den Rang einer Universität erhoben. Es  kamen eine juristische und medizinische Fakultät hinzu. Prunkstück ist die Aula Leopoldina, ein Barocksaal im 170 Meter langen Hauptgebäude, der zwischen 1728 bis 1741 erbaut wurde. Heute hat die polnische Universität 47.000 Studenten.

Das Stadttheater in der zentral gelegenen und vornehmen Schweidnitzer Straße stammt von Architekt Carl Ferdinand Langhans. Nach zwei Bränden 1865 und 1871 haben Carl Johann Lüdecke und Karl Schmidt das Haus erheblich umgebaut. Den Weltkrieg überstand es ohne Schäden. In den 50er Jahren erweiterte Andrzej Frydecki das Bühnenhaus zum Schlossplatz hin.

Das Königliche Regierung im Stile der niederländischen Neorenaissance hat Karl Friedrich Endell 1886 erbaut. Kaum beschädigt wurde der Bau nach dem Krieg als Nationalmuseum eröffnet. Die Lessingbrücke, eine Überquerung der Oder, hat 1875 Stadtbaurat Ferdinand Kaumann bauen lassen. Da sie im Krieg zerstört wurde, hat sie Jan Kmita von 1957 bis 1958 als Spannbetonbrücke neu erbauen lassen, sie heißt jetzt Friedensbrücke (most pokoju).
Die Liebichshöhe stellte ein  Ausflugsziel dar, das Kaufmann Adolf Liebich finanziert und Architekt Karl Schmidt 1867 umgesetzt hat. Ursprünglich standen auf der Anhöhe ein Säulengang, Springbrunnen, Restaurant und Aussichtsturm. Später haben sich weitere Baumeister verewigt. Am Ende des Krieges hat sich in den unterirdischen Gängen der Liebichshöhe der Gefechtsstand der Wehrmacht eingenistet. Die Denkmäler samt Turm wurden anschließend abgerissen, die Anhöhe in Partisanenhügel (Wzgórze Partyzanów) umbenannt.

Die  Jahrhunderthalle  (Hala Ludowa, dt: Volkshalle) ist eine heute noch genutzte Messehalle aus Stahlbeton, die Stadtbaurat Max Berg kurz vor dem Ersten Weltkrieg errrichten ließ. Ihre Kuppel war mit 65 Metern Durchmesser damals das größte freitragende Bauwerk der Welt. Vorbild stellte das antike Pantheon in Rom dar. Gemeinsam mit einer 1948 aufgestellten, 100 Meter hohen Nadel (iglica) gehört die Jahrhunderthalle seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal von 1896 hat der Bildhauer Christian Behrens entworfen. Die Bronzefigur, ein Geschenk des Landes Niederschlesien an die Stadt, stand im Zentrum in der Schweidnitzer Straße. Das Reiterstandbild nahm im Krieg zwar keinen Schaden, wurde jedoch im Oktober 1945 eingeschmolzen. Seit 2007 steht an der gleichen Stelle ein Denkmal für den ersten polnischen König Boleslaw I.
Der Neptunbrunnen hatte auf schlesisch den schönen Namen Gabeljürgen. Doch das Wasserspiel mit dem Meeresgott ist im Krieg zerstört worden. Er wurde  1732 von dem Steinmetz Johann Karinger und dem Bildhauer Johann Jakob Bauer  auf dem Neumarkt errichtet. Die Neptun-Skulptur stand auf einer Säule, zu dessen Füßen waren vier Delfine, denen Wasser aus den Mündern quoll. Bei Ausgrabungen 2010 kamen Bruchstücke des barocken Brunnens wieder ans Tageslicht und damit Überlegungen ihn wieder herzustellen.

Wir hoffen es hat Ihnen auch dieses Mal wieder gefallen. Freuen Sie sich mit uns gemeinsam auf den nächsten Spaziergang auf oldthing.de!

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